Köln auf dem Geldbeutel: So erlebst du die Domstadt ohne Pleite
also ehrlich, ich war total überrascht als ich zum ersten mal nach köln gezogen bin. da dachte ich noch: ach, rheinland, halt die domkrone hoch, touristen und karneval. aber nach drei jahren hier kann ich dir sagen - köln ist so viel mehr als der dom und das franziskaner brewery. und das beste? du kannst hier richtig gut leben, auch wenn dein kontostand eher traurig guckt. ich hab damals mit knapp 1200 euro warmmiete angefangen, ja wirklich, in einer wg in ehrenfeld, und trotzdem hatte ich am ende des monats noch was übrig. das ist keine übertreibung, das ist erfahrung. ein kumpel von mir, der aus düsseldorf kam, hat gesagt ich spinnere, aber mittlerweile wohnt er in südstadt und bereut es keinen einzigen tag. also falls du darüber nachdenkst, irgendwann mal hinzuziehen oder einfach günstig hierherzureisen - lies weiter.
q&a - die sachen, die du eigentlich fragen willst
q: kann man in köln wirklich ohne deutsch auskommen?
a: kurzfassung: ja, aber nur oberflächlich. in ehrenfeld, nippes und der südstadt kommt du mit englisch klar, besonders bei jungen leuten und in kneipen. aber sobald du zum vermieter willst, zum jobcenter oder zur abrechnung bei der stadtwerke - da wirst du ohne deutsch ganz schön auf dem schlauch stehen. ein kumpel von mir hat zwei jahre hier gelebt und nur englisch gesprochen, hat funktioniert, aber er hatte auch das gefühl, immer nur die hülle der stadt zu sehen und nie richtig reingezogen zu werden. irgendwann hat er es trotz gelernt, und dann hat köln erst richtig aufgeht für ihn.
q: was ist der härteste nachteil an köln, den keiner erwähnen will?
a: die ehrliche antwort ist das wetter, aber nicht so wie du denkst. es geht nicht nur um regen, sondern um den grau. von november bis märz siehst du teilweise tagelang keine richtige sonne. das zerrt an dir, besonders wenn du von irgendwo aus dem süden kommst. ein bekannter von mir ist deswegen nach einem jahr nach lissabon abgehauen. ein anderer hat gesagt, dass die energie in der stadt im winter regelrecht sinkt, dass man morgens aus dem bus steigt und einfach nur noch alle genervt aussehen. das stimmt, und es ist ein problem, das viele unterschätzen. aber der rest des jahres? da ist köln ungeschlagen.
q: wie sieht es mit der sicherheit in köln wirklich aus?
a: die südstadt, ehrenfeld und die innenstadt rund um den ringe sind ziemlich entspannt, auch abends. klar, du musst nicht dumm sein, aber ich hab mich hier nachts allein noch nie wirklich unsicher gefühlt. problematischer sind die bereiche rund um den mülheimer brücke und bestimmte ecken in deutz nachts. der witz ist: die meisten kölner werden dir sagen, dass köln total sicher ist, weil sie es so wahrnehmen. objektiv gesehen gibt es wie in jeder größeren stadt ecken, die du meiden solltest. ein kollege hat mal gesagt: in köln wird dir eher der rucksack gestohlen als dass du überfallen wirst. also, augen auf aber kein panikmodus.
main content - das köln, das in keinem reiseführer steht
fang ich mal mit dem an, was die meisten touristen komplett ignorieren: den stadtteilen. köln ist nicht einfach nur eine stadt, es ist wie ein zusammengewürfeltes patchwork aus einzelnen dörfern, die irgendwann mal zusammengewachsen sind. ehrenfeld fühlt sich an wie berlin vor zehn jahren - bunt, laut, ein bisschen chaotisch, aber mit einer unglaublichen kreativen energie. nippes ist der ruhigere bruder, voll mit familien, bioläden und cafés, in denen man stundenlang sitzen kann ohne dass jemand dich nervt. die südstadt, also das studentenviertel rund um die barbara-ustrich-straße, ist der ort an dem alles passiert - billig essen, billig trinken, und menschen aus wirklich jedem land der welt. und dann gibt es noch mühlheim, das wortnerviertel und die höhenberg, die ehrlich gesagt so richtig schön sind, weil man dort sieht wie köln wirklich lebt, nicht wie es sich touristisch verkauft. ich war neulich in der bergisch-gladbacher straße und da hat mich ein älterer mann angesprochen und gesagt: junge, wenn du köln verstehen willst, geh in die bar und bestell ein kölsch und unterhalt dich mit dem menschen neben dir. das ist ehrlich der beste reisetipp den ich je bekommen habe.
die kulinarische szene hier ist auch ziemlich verrückt geworden. klar, es gibt die klassischen sachen - mettbrötchen, Himmel un ääd, reibekuchen. aber in den letzten fünf jahren ist richtig was passiert. im vringsviertel gibt es mittlerweile restaurants, die unter 10 euro ein menü anbieten, das in berlin oder hamburg locker das doppelte kosten würde. ein imbiss in der lenbachstraße macht die beste dönerplatte die ich je gegessen habe, und das für 6 euro. und das bürgerbräu, ja klar ist es touristisch, aber abends nach acht uhr wenn die massen abgezogen sind, ist es tatsächlich einer der schönsten räume in der ganzen stadt. ein lokaler hat mich mal gewarnt, dass man den rheinauhafen nicht nur bei schönem wetter besuchen soll, sondern auch bei schlechtem, weil die stimmung da komplett anders und irgendwie intensiver ist. das fand ich gut, und ich glaub da hat er recht.
mikro realitätssignale - das echte köln im alltag
wenn du morgens um sieben in die u-bahn steigst, siehst du mindestens drei menschen mit joggingkleidung, obwohl kein fitnessstudio in der nähe ist - die laufen einfach so durch die stadt wie andere nur zum bäcker gehen. in köln grüßt tatsächlich fast jeder, selbst wenn er dich nicht kennt, und ich komme aus einer stadt in der man niemanden anguckt. karneval beginnt nicht erst im november, sondern die leute fangen schon im september an, über karneval zu reden, und es ist kein witz. in der bar unter uns am rathausmarkt steht ein schild mit dem satz ,leev laufe, un bes un bes en et südstadion und wenn du es nicht verstehst, bist du definitiv nicht von hier. freitags abends ist der roonstr-markt so voll, dass man sich wie auf einem festival fühlt, nur dass man dabei eigentlich nur einkaufen will. ein bekannter hat mal betrunken gesagt: in köln kannst du um vier uhr morgens an einer imbissbude stehen und jemand kommt an und fragt ob du mit ins wochenende willst, und das ist keine metaphorik.
echte preise für echte menschen
- kaffee (filter oder espresso im café): 2,80 euro
- haarschnitt beim friseur ohne termin: 18 euro
- monatskarte gym fitnessstudio (inkl. group fitness): 39 euro
- casual date abend (essen + zwei getränke pro person): 35 euro
- taxi vom bar nach ehrenfeld: 14 euro
kosten - was dich wirklich erwartet
- einzel-ticket vrs: 3 euro
- warmmiete wgz (groß, ehrenfeld/nippes): 850-950 euro
- warmmiete zwg (südstadt): 700-780 euro
- monatsticket vrs: 82 euro (studenten weniger)
- mittagessen im tagesmenü-restaurant: 7-9 euro
- 0,5l kölsch in der kneipe: 3,20-3,80 euro
- netto-einkauf für eine woche (einzelperson): 35-45 euro
- handyvertrag mit gutem tarif: ab 12 euro/monat
- internet flat (wlan, kleiner haushalt): 25 euro/monat
- kino-ticket: 9 euro
die sache mit den wohnkosten ist so eine sache - ehrlich gesagt ist köln in den letzten drei jahren teurer geworden, aber es ist immer noch deutlich günstiger als münchen, frankfurt oder hamburg. und ja, ich weiß dass das nicht viel tröstet wenn man auf der suche nach einer wohnung ist, aber hey, es gibt noch ecken in der stadt wo man unter 800 warm noch eine richtig schöne wohnung finden kann. der jobmarkt ist auch besser als viele denken - logistik, medien, startup-szene und natürlich der öffentliche dienst, der hier riesig ist. mein kollege arbeitet bei der stadt köln und hat gesagt, dass es da eigentlich fast immer offene stellen gibt, man muss nur den mut haben sich zu bewerben. über sicherheit gibt es wenig zu meckern, die meisten stadtteile sind nachts angenehm ruhig und ich hatte noch nie probleme mit irgendwas, außer dass mal jemand sein fahrrad vor meiner tür geklaut hat, aber das passiert ja überall.
das wetter - oder wie man in köln lernt, mit grau zu leben
köln liegt am rhein, und das heißt vor allem eins: es ist fast immer feucht. der sommer ist kurz aber wunderschön - wenn die sonne rauskommt, dann scheint sie so wie sie in südfrankreich scheint, und die ganze stadt verwandelt sich in ein riesiges freiluftkino am rhein. der herbst fängt dann an, dich langsam zu brechen, weil es tagelang nieselregen gibt und du das gefühl hast, der himmel hat einen grauen filter drüber gelegt. im winter fällt die sonne so tief, dass du morgens im dunklen aufstehst und abends im dunklen nach hause kommst. aber der frühling! der frühling in köln ist unverschämt schön, wenn die bäume am rhein anfang mai grün werden und man abends wieder draußen sitzen kann, dann vergisst du jede einzelne graue minute davor. benachbarte städte wie bonn (30 minuten mit der bahn), düsseldorf (25 minuten) und aachen (1,5 stunden) lohnen sich alle für tagesausflüge, weil jede von ihnen eine komplett andere energie hat.
anti-touristen-wahrheit
alle denken, köln ist nur karneval und dom. stimmt, aber das ist ungefähr so wie zu sagen, dass neapel nur pizza ist. der dom ist beeindruckend, keine frage, aber die eigentliche seele von köln steckt in den kneipen, den stadtteilen, den menschen an der ecke die dir einfach so ein bier anbieten wenn du am sitzen bist. die leute hier sagen oft: der dom steht schon tausend jahre, aber die party geht jeden abend von neuem los. und irgendwo haben sie recht. die touristen gehen zum dom und zum schokoladenmuseum, und das ist schön für sie, aber das echte köln fängt erst an, wenn du nach südstadt gehst und merkst, dass hier eine stadt lebt, die sich selbst nicht zu ernst nimmt.
vergleiche, die hinken - aber trotzdem helfen
wenn du berlin kennst, wirst du köln gemütlicher finden, aber weniger politisch radikal. wenn du hamburg kennst, wirst du die leute hier direkter und wärmer empfinden. wenn du münchen kennst, wirst du zum ersten mal in deinem leben spüren, dass eine stadt dir sagt: hey, sei einfach du selbst, keiner guckt schief. am ehesten kommt köln vielleicht dem was man sich vorstellt, wenn man an amsterdam denkt - liberal, multikulturell, mit einer gewissen unverschämtheit die einen charm hat. oder wie mein vater mal betrunken auf einer hochzeit gesagt hat: köln ist wie ein guter freund, der manchmal nervt, aber den du niemals hergeben würdest.
regret profile - wer hier unglücklich wird
erstens: menschen die absolute ruhe brauchen und natur um sich herum, die werden hier wahnsinnig werden, weil köln laut ist, bunt ist, und irgendwo immer irgendwas passiert. zweitens: leute die karriere über alles stellen und in einem harten wettbewerbsumfeld arbeiten wollen - dafür gibt es in köln nicht genug große unternehmen, die das gleiche level bieten wie in frankfurt oder münchen. drittens: menschen die erwarten, dass alle hier karneval lieben - überraschenderweise gibt es in köln durchaus leute, die karneval hassen, und die werden hier sehr schnell sehr unglücklich, weil man als anti-karnevals-mensch hier ein bisschen wie der auenseiter aussieht.
hier ein paar links die dir bei der planung helfen könnten:
- offizielle tourismus-seite köln
- fahrpläne und tickets für den nahverkehr
- wohnungssuche köln
- studentenwerk köln, infos für studierende